Jesus – die Mitte der Schrift

Wir haben Reformationsjubiläum. Ich möchte in diesem Jahr mal ein paar Basics neu in den Fokus nehmen. Vor allem Jesus – wir haben jetzt schon zwei Gottesdienste gehabt, wo Jesus im Mittelpunkt stand. Wer er ist, was sein neues Regierungsprogramm ist. Die Bibel, den Glauben, die Gnade Gottes.  Heute soll es auch wieder um Jesus gehen, aber darüber hinaus auch um unser Bibelverständnis. Denn beides hängt unmittelbar zusammen.

Also das ist ein echtes Grundlagenthema. Wenn Sie jetzt denken: Ach das kenne ich alles schon, dann bitte nicht abschalten. Es geht hier echt um die Wurst, und das hat massive Auswirkungen auf die Art uns Weise, wie wir als Christen leben, wie wir uns als Gemeinde verstehen und wie wir bestimmte Themen anpacken. Wenn Sie in Heidelberg das Schloss besichtigen und sich die Architektur anschauen, dann werden Sie sich vermutlich kaum darüber Gedanken machen, wie das Fundament dieses Schlosses aussieht. Die Gebäude oben drauf sind ja viel interessanter. Aber ohne das richtige Fundament hätte das Schloss niemals so gebaut werden können.

Wir werden auch gleich merken, wie entscheidend wichtig diese Themen sind.

Jesus ist toll. Die meisten Menschen würden das sagen. Aber was ist mit dem Rest der Bibel?

Immer wieder passiert es mir, wenn ich mich mit Leuten über die Bibel und Gott unterhalte, dass ein Thema auf den Tisch kommt. Viele sagen: Ja, Jesus ist toll, und das finde ich auch gut, aber was ist mit diesen Stellen im Alten Testament, wo Gott Gericht hält, wo er fast die ganze Menschheit mit der Sintflut ausradiert. Oder wo er dem Volk Israel beim Einzug ins verheißene Land den Befehl gibt, andere Völker anzugreifen und zu vernichten. Das ist ja schrecklich! Ich meine: haben Sie und habt ihr das schon einmal gelesen?

Als Christen reden wir immer über den Gott der Liebe, und dann steht in der Bibel so etwas. Total verunsichernd, oder? Ist das wirklich unser Gott, der dort die Bevölkerung einer ganzen Stadt ausradieren lässt? Ist das unser Gott, der mit dem Satan eine Wette abschließt, dass Hiob ihm treu bleibt und dann zulässt, dass dessen 10 Kinder auf einen Schlag sterben? Und dann die Frage nach dem ewigen Leben – ist das Gottes Plan, nur die zu retten, die an Jesus glauben und Menschen, die nie etwas von Jesus gehört haben, für alle Ewigkeit einer grausamen Folter in der Hölle auszusetzen?

Wer sich jemals mit diesen Fragen herumschlagen musste, der wird ganz schnell merken: Ups, ja, das steht ja alles so in der Bibel. Aber der Gott, an den ich glaube, der mir in Jesus begegnet, der passt überhaupt nicht in dieses Bild eines grausamen und herzlosen Gottes. Im Gegenteil. Wenn ich auf Jesus schaue, spüre ich da tiefe Widersprüche, die ich nicht einfach auflösen kann.

Das Ganze wäre vermutlich ganz einfach, wenn wir die Bibel nur als historische Literatur ansehen würden. Das tun wir aber nicht. Für uns ist die Bibel verbindliche Grundlage unseres Glaubens. Wir sind überzeugt, dass Gott durch die Bibel zu uns redet. Wir bezeichnen die Bibel auch oft als Gottes Wort. Es gibt sogar Christen, für die ist die Bibel geradezu selbst ein göttliches Buch, vollkommen und ohne Widersprüche, irrtumslos und Wort für Wort von Gottes Geist exakt so eingegeben.  Obwohl nicht jeder das gleich so ausdrücklich sagen würde, ist die Bibel dennoch für uns die höchste irdische Autorität.

Die Christenheit hat in den letzten 300 Jahren erleben müssen, wie diese Autorität hinterfragt wurde. Durch Geschichtsforschung, wissenschaftliche Betrachtung der Texte und die Aufklärung entstand eine neue Theologie. Da ist viel Gutes gesagt worden, aber auch viel Kritisches. Die liberale Theologie befreite sich von den Fesseln bisheriger Lehren. In vielen Punkten haben wir uns überzeugen lassen. Wir können es heute durchaus akzeptieren, dass die Erde ein kugelförmiger Planet ist, der um die Sonne kreist. Und viele Christen öffnen sich auch für ein neues Verständnis, wie Evolution und Schöpfung zusammen hängen und was die Schöpfungstexte in der Bibel eigentlich aussagen wollten.

Aber wir tun uns schwer damit, die Geschichte von der Arche Noah als eine rein literarische Erzählung zu verstehen. Da zucken wir zusammen. Oder wenn wir die Geschichte vom Auszug des Volkes Israel aus Ägypten lesen, sehen wir vor unserem inneren Auge ein Millionenvolk durch ein tiefes Meer gehen, und die Wasser stehen wie eine Wand zur Linken und zur Rechten. Wenn liberale Theologie behauptet, es sei nur eine Handvoll Leute gewesen, die bei extremer Ebbe eben durch das Schilfmeer gelaufen sind, dann fühlen wir uns in unseren theologischen Grundfesten erschüttert. Dass Gott für Josua die Sonne einen Tag lang still stehen ließ  (Josua 10,13), oder dass er sie sogar 10 Stunden rückwärts wandern ließ wie König Hiskia es sich wünschte (Jes 38), das entlockt uns vielleicht auch ein Stirnrunzeln. Die einen sagen: Gott ist allmächtig – und genau so ist es passiert. Andere sagen: Nein, diese Wunder sind Erzählungen, die uns Gottes Macht illustrieren sollen, aber in Wahrheit verlief die Zeit nie anders als sie es immer tut.

Wenn Sie jetzt unruhig auf ihrem Sitz hin- und her rutschen, kann ich Sie gut verstehen. Denn schließlich ist die Bibel doch Gottes Wort, und weil Gott keine Fehler macht, kann doch die Bibel auch keine Fehler enthalten, oder?

In der Tat kommt es an diesem Punkt immer wieder zu größeren oder kleineren Konflikten. Wir stecken ja mitten im Reformationsjubiläum 2017 – und eine der wichtigsten Formulierungen der Reformation ist ja das „sola scriptura“. Also: Allein die Schrift. Nicht irgendwelche kirchlichen Dogmen dürfen die Grundlage für unseren Glauben sein, sondern alles, was die Kirche sagt, muss sie auf die Schrift gründen können. So weit so gut, aber was ist, wenn wir uns auf diese Grundlage auf einmal nicht mehr verlassen könnten?

Aus diesem Grund haben sich viele Christen gegen die liberale Theologie gestellt. Die Wissenschaft und die Universitäten wurden verdächtigt, dass sie dem Glauben seine Grundlage kaputt machen. Ich weiß noch gut, als ich überlegt habe, Theologie zu studieren, da hieß es: Geh lieber nach Tabor, denn auf der Universität machen sie dir den Glauben kaputt.

Und so haben viele Gemeinden bis heute eine Lehre, die sich als ein Gegengewicht zu dieser liberalen Theologie versteht. Dabei geht es ganz oft um unser Bibelverständnis. Wir nennen uns selbst manchmal „bibeltreu“. Damit wollen wir ausdrücken, dass für uns die Bibel nicht kritisiert werden darf, sondern dass sie als Gottes Wort für uns höchste Autorität in allen Glaubens- und Lebensfragen hat.

Trotzdem merken wir: Moment, so einfach ist es nicht. Was ist mit dem Gesetz? Heißt das denn, dass wir das alles genau so halten müssen, wie es da steht? Inklusive koscheres Essen (Lev 11), Verzicht auf das Tragen von Mischgewebe (Lev 19,19)  und Steinigung von schwer erziehbaren Kindern (5. Mos 21,18ff)? Moment, Moment, noch mal zurück. Spätestens hier merken wir ja, dass es eben nicht so einfach ist. Auch die ersten Christen kannten diese Unterschiede und haben klar erkannt, dass diese Texte für uns eben nicht verbindlich sind, sondern dass sich durch Jesus offensichtlich etwas Entscheidendes verändert hat.

Jetzt wird es hochinteressant, denn hier sehen wir, wie diese ersten Christen mit der Bibel umgingen. Ich lese dazu mal einen kurzen Text aus dem Hebräerbrief:

Hebr 1,1   Nachdem Gott vielfältig und auf vielerlei Weise ehemals zu den Vätern geredet hat in den Propheten,  2 hat er am Ende dieser Tage zu uns geredet im Sohn, den er zum Erben aller Dinge eingesetzt hat, durch den er auch die Welten gemacht hat;  3 Der Sohn ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und Ebenbild seines Wesens. Er trägt alle Dinge durch das Wort seiner Macht und hat sich zur Rechten der Majestät in der Höhe gesetzt, nachdem er die Reinigung von den Sünden bewirkt hat;

Nochmal: Wie hat Gott früher zu den Menschen geredet? Vielfältig und auf vielerlei Weise. Bevor Jesus kam, hat Gott auf unterschiedliche Weise geredet, vielfältig. Durch Erscheinungen, durch Naturereignisse, durch Engel, durch Offenbarung der zehn Gebote, vermittelt durch Mose, durch Propheten, in ziemlich krummen Geschichten und abenteuerlichen Erlebnissen. Ja, Gott hat geredet. Aber all das war nur ein begrenzter Eindruck davon, wie Gott wirklich ist.

Der Knackpunkt ist: Jesus Christus ist eben nicht nur eine weitere dieser vielfältigen und verschiedenen Offenbarungen. Er ist eben nicht nur ein weiterer Prophet unter vielen anderen. Seine Worte sind nicht etwa nur eine aufpolierte Version der zehn Gebote. Nein – Jesus Christus ist eine vollkommen andere Qualität von Gottesoffenbarung.

Hier heißt es: Der Sohn ist der Abglanz von Gottes Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens. Nochmal: Das Ebenbild seines Wesens. In Jesus begegnet uns nicht nur ein Teilaspekt von Gott, sondern in ihm sehen wir seine Herrlichkeit und eine exakte Darstellung seines Charakters. Übrigens: Das ist auch genau das Wort, das man im Griechischen damals verwendet hat. Dort steht im Urtext tatsächlich das Wort „Charakter“. Übersetzt heißt das: Eine genaue Darstellung. Ein exaktes Abbild.

Diese Sache ist das absolut Wichtigste, was ich heute sagen will. In Jesus sehen wir Gott, wie er wirklich ist.

Wenn wir die Bibel lesen und lesen das Alte Testament oder sogar manche Texte im Neuen Testament, und wenn diese Texte uns ein Bild von Gott vermitteln, das nicht mit Jesus übereinstimmt, dann sind das nur Schatten dessen, wie Gott wirklich ist. Wir finden genau diese Erklärung ebenfalls im Hebräerbrief, ein paar Kapitel weiter. Da heißt es: „Das Gesetz ist ein Schatten der zukünftigen Güter, nicht der Dinge Ebenbild selbst“. (Hebr. 10,1) Oder Paulus schreibt im Kolosserbrief: (Kol 2,16)   „So richte euch nun niemand wegen Speise oder Trank oder betreffs eines Festes oder Neumondes oder Sabbats,  17 die ein Schatten der künftigen Dinge sind, der Körper selbst aber ist des Christus.“

Über Kolosser habe ich auch im Januar gepredigt: „Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes.“ (Kol 1,15)

Das Neue Testament sagt uns also: Jesus ist die genaue, die exakte Darstellung von Gottes Wesen. Was vorher war, waren auch Darstellungen, aber letztlich nur Schatten

Ich will das nochmal ein bisschen erklären: Ein Schatten ist immer ein verzerrte oder flache Abbildung einer Person oder eines Gegenstandes. Seine Form kann variieren und kann uns zu falschen Schlussfolgerungen bringen. Stellen wir uns mal folgende Szene vor: Camping in den Rocky Mountains mit Zelt und Schlafsack. Morgens kommst du bei den ersten Sonnenstrahlen aus dem Zelt, setzt dich gemütlich hin und willst dir dein Frühstück machen. Plötzlich siehst du, wie der Schatten eines Bären auf dich fällt.  Erschrocken fährst du hoch und drehst dich um.

Und da steht einfach nur dein Kumpel, der gerade auch aus dem Zelt gekommen ist, aber weil die Sonne so tief steht, wirft er einen riesigen Schatten. Gott sei Dank, kein Bär.

Du schaust wieder nach vorne, und der Schatten sieht immer noch so aus wie ein Bär, aber du weißt: Das ist gar kein Bär. Es ist nur eine verzerrte Darstellung deines Camping-Kumpels.

Jetzt ist für mich die Frage: Wie gehen wir eigentlich im Blick auf die Bibel damit um? Jesus ist die exakte Abbildung. In ihm hat Gott sich in Herrlichkeit offenbart. Was wir in der Bibel auch noch von Gott lesen, sei es das Gesetz oder die Geschichten vom Volk Israel oder die Sintflut oder was David in den Psalmen schreibt und und und – das sind mehr oder weniger gut gelungene Schatten. Aber Jesus ist die exakte Abbildung.  Wenn ich Jesus gesehen habe, dann werde ich die Schatten nicht mehr auf die gleiche Weise interpretieren wie vorher. Dann weiß ich, dass es nur Schatten sind. Die Bibel ist kein flacher Text, in dem es keine Unterschiede und keine Schwerpunkte gibt. Es gibt wichtigere Stellen und weniger wichtige Stellen. Es gibt Aussagen, die werde ich sogar von Jesus her ablehnen müssen. Ich kann nicht sagen: In den Geboten zur Steinigung von ungehorsamen Kindern zeigt Gott sich genauso deutlich wie in der Auferstehung Jesu Christi. Wer die Bibel so liest, hat glaube ich ein ernstes Problem. Es ist auch nicht biblisch. Denn die Bibel selbst sagt: Das waren Schatten. Wenn du dir von diesen Schattenstellen her dein Gottesbild zusammenbastelst, dann wirst Du eine stark verzerrte Vorstellung von Gott bekommen.

Manche versuchen auch, diese verschiedenen Aussagen über Gott miteinander zu verbinden. Das höre ich auch immer wieder mal: Ja, Gott ist gnädig und barmherzig, aber er ist auch eifersüchtig und zornig und bestraft die Sünder. — Als ob man beides gleichwertig nebeneinander stellen könnte, als ob alle Bibeltexte gleich richtig sind.

Deshalb ist es so wichtig, dass wir verstehen, dass es eine Mitte der Schrift gibt, und das ist Jesus. Und dass es Texte gibt, die nur Schatten sind. Sie sind eben nicht genauso wichtig. Wir müssen nicht zwanghaft versuchen, das alles auf eine Ebene zu bringen, denn es steht nicht auf einer Ebene. Wir müssen nicht alle Bibeltexte miteinander synchronisieren. Es ist nicht nötig.

Ich muss nicht den Bärenschatten und den Menschen synchronisieren und dann sagen: Ja, dieser Mensch ist ein Mensch, aber er ist auch ein gefährlicher Bär. Das ist er nicht.

Die Bibel ist kein flacher Text, wo alles gleich ist. Sie ist eine Sammlung von vielen Texten, die nicht alle auf die gleiche Weise von Gott reden. Sie ist mehr so wie eine Pyramide, die eine Spitze hat. Das ist Jesus. In ihm sehen wir Gott, wie er wirklich ist. Und alles, was sonst noch gesagt wird, steht unter dieser Spitze und muss von daher verstanden werden.

Vielleicht denken wir: Moment, aber was ist denn jetzt mit Gottes Zorn? Was ist mit dem Gericht? Was ist mit den Stellen, wo wir einen geheimnisvollen Gott wahrnehmen, vor dem wir vielleicht auch eine Menge Respekt haben oder vor dem wir erschrecken? Wo wir uns vielleicht vor ihm fürchten? Diese Stellen gibt es ja durchaus auch in der Bibel.  Ja, das stimmt, diese Stellen gibt es. Aber, und das ist das Entscheidende, sie müssen von Jesus her verstanden werden, sondern werden wir sie missverstehen. Jesus redet ja auch vom Zorn Gottes und vom Gericht.  Und Paulus redet vom Zorn Gottes und vom Gericht. Aber, und das ist entscheidend, auf einmal werden diese Dinge von Jesus her neu definiert. Sie werden verständlich. Sie sind kein Schreckgespenst mehr. Wir entdecken, dass dahinter kein grausamer Gott steckt, der die Menschen knechtet, sondern wir lernen, diese Dinge von dem liebenden Vater her zu denken, den Jesus uns gezeigt hat.

Um nochmal auf das Beispiel mit dem Bärenschatten zurück zu kommen. Wenn ich mich über den Schatten erschrecke und mich vor dem Bären fürchte, und dann drehe ich mich um und sehe meinen bärtigen Kumpel, dann verändert das sofort die Art und Weise, wie ich den Schatten wahrnehme. Also ich drehe mich ja nicht wieder zum Schatten um und erschrecke nochmal über den Bären. Das ist ja gar kein Bär. Es ist der Schatten meines Freundes.

Ich glaube auch, dass die Jünger sich damals genau die gleiche Frage gestellt haben: Wie können wir Jesus jetzt zusammenbringen mit dem, was Mose im Gesetz geschrieben hat und was in den Propheten steht uns so weiter. Da gibt es eine extrem wichtige Stelle, nämlich die sogenannte Verklärung Jesu. Jesus ging mit Petrus, Johannes und Jakobus alleine auf einen Berg, und auf einmal wurde er verklärt. Also er erschien in einem göttlichen Licht. Und neben Jesus erschienen zwei Männer, nämlich Mose und Elia. Mose und Elia sind quasi die allerwichtigsten Hauptfiguren im Alten Testament. Mose als der, der die zehn Gebote empfangen hat. Elia als der wichtigste aller Propheten. Und dann hörten die Jünger die Stimme Gottes, und der sagte: Dieser eine, Jesus, der ist mein geliebter Sohn. Den sollt ihr hören.

Das heißt: In dieser Szene sagt Gott selbst, dass Jesus höher steht als Mose und die Propheten. Jesus ist die Spitze der Pyramide. Die Bibel ist kein flacher Text, wo alles gleich wichtig und von gleicher Bedeutung wäre.  Nein – sie muss von Jesus her gelesen werden.

Nicht die Bibel ist die entscheidende Offenbarung Gottes, sondern Jesus Christus.

Wir sind es auch gewohnt, von der Bibel als dem Wort Gottes zu sprechen, und im weitesten Sinn stimmt das natürlich. Aber die Bibel selbst bezeichnet sich nirgends als das eine Wort Gottes. Es gibt aber zwei entscheidende Bibelstellen, wo Jesus selbst als das Wort Gottes bezeichnet wird. (Johannes 1 und Offenbarung 19,13). In Johannes 1 heißt es: Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott. Aber gemeint ist nicht die Bibel, sondern gemeint ist Jesus. Ein paar Verse weiter heißt es nämlich: Das Wort wurde Fleisch und wohnte unter uns – und wir sahen seine Herrlichkeit als die des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. (Joh 1,14)

Es ist nicht falsch, wenn wir die Bibel als Wort Gottes bezeichnen. Aber sie steht nicht über Jesus, sondern Jesus ist das wahre Wort Gottes. Von ihm her müssen wir die Bibel lesen und verstehen. Er ist die exakte Abbildung, er zeigt uns Gottes wahren Charakter.

Mir ist es sehr wichtig, dass wir als Gemeinde lernen, diese Unterscheidung zu treffen. Gerade weil uns die Bibel unbedingt wichtig ist. Gerade weil wir glauben, dass Gott durch die Bibel zu uns redet. Weil wir das wissen und erfahren haben, dass Gottes Geist die Worte der Bibel gebraucht, um uns zu treffen. Paulus hat mal gesagt, dass die ganze Schrift inspiriert ist, also von Gottes Geist durchweht. Gottgehaucht. Das heißt aber nicht, dass alle Wörter und Buchstaben quasi aus sich allein göttlich sind. Die Bibel hat für sich allein keine göttlichen Eigenschaften. Aber der Heilige Geist spricht durch sie. Der Heilige Geist ist aber der Geist Jesu Christi, und Jesus ist der Herr der Bibel.  Wenn wir die Bibel nicht von Jesus her lesen, dann wird es falsch. Wenn wir die Bibel gegen Jesus stellen, wird es ganz falsch.

Er ist der Herr und die Mitte der Bibel – von ihm und zu ihm und durch ihn sind alle Dinge — Amen.

Zum Abschluss drei kleine Fragen zum Weiterdenken:

1. Wo bist du schon einmal erschrocken über das Gottesbild eines Bibeltextes?

2. Wenn du an den „Schatten“ denkst: Was genau hat dich erschreckt? Glaubst Du, dass Gott so ist, oder glaubst Du, dass er anders ist?

3. Inwiefern wird dieses „Schattenbild“ durch Jesus korrigiert?